Yustina, Irene und Aisha haben im November 2014 eine Impfdosis gegen Humane Papillomviren (HPV) bekommen, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können.
Yustina, Irene und Aisha haben im November 2014 eine Impfdosis gegen Humane Papillomviren (HPV) bekommen, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können.
© Gavi/Karel Prinsloo

Gesundheit

Viele Krankheiten haben für uns in Europa ihren Schrecken verloren, weil wir sie verhindern oder behandeln können, zum Beispiel durch Impfungen oder Medikamente. In vielen Entwicklungsländern ist die Gesundheitsversorgung deutlich schlechter: Jedes Jahr sterben dort sehr viele Menschen an Krankheiten, die eigentlich leicht zu vermeiden und gut zu behandeln wären, zum Beispiel an Lungenentzündung, Durchfall, Malaria oder Masern.

Dies passiert, obwohl Gesundheit ein international anerkanntes Menschenrecht ist: Jedes Kind, jede Frau, jeder Mann hat das Recht auf Gesundheit und Wohlbefinden. Damit verbunden ist das Recht auf ausreichend Nahrung, auf Kleidung und Unterkunft und auf medizinische Versorgung.

Armut macht krank

Ein Kleinkind in einem Armenviertel der indischen Stadt Neu-Delhi. Ein Großteil der Bevölkerung lebt dort vom Müllsammeln.
Ein Kleinkind in einem Armenviertel der indischen Stadt Neu-Delhi. Ein Großteil der Bevölkerung lebt dort vom Müllsammeln.
© Michael Gottschalk/photothek.net

In Entwicklungsländern stecken viele Menschen in einem "Teufelskreis" fest: Sie leben in extremer Armut, sind unterernährt und haben häufig weder sauberes Trinkwasser noch eine Toilette. Diese Lebensbedingungen machen sie krank. Weil sie sehr arm sind, können sie sich jedoch keine ärztliche Behandlung leisten. Die Folge: Sie können nicht arbeiten. – So rutschen sie noch tiefer in die Armut und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Kindergesundheit: erschreckende Zahlen

Kinder leiden besonders stark unter einer schlechten Gesundheitssituation. Zwar wurde in den vergangenen 25 Jahren eine Menge getan, um ihre Versorgung zu verbessern. Doch noch immer sind die Zahlen erschreckend: Jedes Jahr sterben weltweit ungefähr 5,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren – das sind etwa 15.000 Kinder am Tag oder zehn Kinder pro Minute.

Das bevölkerungsreiche Indien hat insgesamt die meisten Todesfälle zu beklagen: Dort sterben jährlich über eine Million Mädchen und Jungen, bevor sie fünf Jahre alt werden. Sehr schlimm ist die Lage aber auch in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Dort gibt es Länder, in denen pro 1.000 Geburten mehr als 100 Kinder sterben. Zum Vergleich: In Deutschland sind es vier pro 1.000.

Bei einer Vorsorgeuntersuchung hört die Krankenschwester die Herztöne des ungeborenen Babys ab. Das Foto entstand in Kenia.
Bei einer Vorsorgeuntersuchung hört die Krankenschwester die Herztöne des ungeborenen Babys ab. Das Foto entstand in Kenia.
© Allan Gichigi/IRIN

Müttergesundheit

Frauen schweben durch die schlechte Gesundheitsversorgung in den armen Ländern oft in Lebensgefahr. Viele haben bei den Themen Sexualität und Familienplanung kein Mitspracherecht. Zum Beispiel haben sie keine Möglichkeit, sich Verhütungsmittel zu besorgen. Während der Schwangerschaft fehlt vielen Frauen eine gute Beratung oder das Angebot, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen.

Sogar die Geburten ihrer Kinder müssen viele Frauen ohne Hilfe von einem Arzt oder einer Hebamme bewältigen. Die Folgen sind dramatisch: Jeden Tag sterben weltweit mehr als 800 Mädchen und Frauen, weil sie während der Schwangerschaft oder Geburt nicht ausreichend medizinisch betreut wurden.

Infektionskrankheiten

In einem Krankenhaus im Jemen untersucht ein Arzt ein Mädchen, das an Cholera leidet.
In einem Krankenhaus im Jemen untersucht ein Arzt ein Mädchen, das an Cholera leidet.
© Moohialdin Fuad/UNICEF

Eine Folge des dortigen Klimas aber vor allem auch der mangelhaften Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern ist die starke Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Diese Krankheiten werden zum Beispiel durch Bakterien, Viren oder Parasiten hervorgerufen und sind ansteckend. Bekannte und weit verbreitete Infektionskrankheiten sind ​Aids (HIV), Malaria und Tuberkulose.

Dass Infektionskrankheiten erfolgreich bekämpft werden können, zeigt das Beispiel Polio (auch Kinderlähmung genannt, weil die Krankheit vor allem kleine Kinder betrifft und bleibende Lähmungen verursacht). 1988 startete die Weltgesundheitsorganisation (​WHO) eine weltweite Impf-Aktion, um das sehr ansteckende Virus auszurotten. Mit Erfolg: Wurden 1988 noch 350.000 Polio-Fälle gemeldet, waren es 2017 nur noch 22. Fast alle Länder der Welt gelten inzwischen als poliofrei.

Im Gesundheitszentrum von Ngoma (Ruanda) lässt sich eine Patientin eine Krankenversicherungskarte ausstellen.
Im Gesundheitszentrum von Ngoma (Ruanda) lässt sich eine Patientin eine Krankenversicherungskarte ausstellen.
© Thomas Imo/photothek.net

Das tut Deutschland

Nur gesunde Menschen sind in der Lage, aus eigener Kraft ihre Lebenssituation zu verändern und die Entwicklung ihres Landes voranzutreiben. Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung ist deswegen ein wichtiges Ziel der deutschen Entwicklungspolitik.

Dazu startet Deutschland eigene Förderprogramme, unterstützt aber auch zahlreiche Initiativen und Kampagnen von internationalen Organisationen, zum Beispiel der WHO oder des Kinderhilfswerks ​UNICEF.

Einsatzbereiche

Ein Laborant an einem Mikroskop im Gesundheitszentrum von Ngoma (Ruanda)
Ein Laborant an einem Mikroskop im Gesundheitszentrum von Ngoma (Ruanda)
© Thomas Imo/photothek.net

Das Engagement des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) in Entwicklungsländern umfasst verschiedene Bereiche. Hier sind die wichtigsten:

  • Beratung der Regierungen beim Aufbau einer Gesundheitsversorgung, die für alle Bevölkerungsgruppen offen und bezahlbar ist, Aufbau von Systemen der sozialen Sicherung (zum Beispiel Krankenversicherung)

  • Ausbildung von medizinischen Fachkräften

  • Finanzielle Unterstützung beim Bau oder der Modernisierung von Gesundheitsstationen und Krankenhäusern

  • Vorbeugung von Krankheiten: Impfaktionen, Verteilung von Moskitonetzen zum Schutz vor Malaria übertragenden Mücken, Aufklärungskampagnen, zum Beispiel zum Schutz vor HIV-Infektionen

  • Förderung von Gesundheitsdiensten für Schwangere und Mütter, Beratung zu Themen wie Ernährung, Hygiene und kindliche Entwicklung, Stärkung der Rechte von Frauen (mehr dazu unter den Stichworten Familienplanung und Genitalverstümmelung)

  • Förderung der Produktion von preisgünstigen Medikamenten

  • Unterstützung internationaler Programme, zum Beispiel zur Bekämpfung von ​Aids, Tuberkulose und Malaria

  • Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen: Mehr Informationen dazu findest du zum Beispiel unter den Stichworten ​Trinkwasser, Sanitärversorgung, Hunger und Bildung.
In einer Gesundheitsstation in Nigeria werden Babys gegen Kinderlähmung (Polio) geimpft.
In einer Gesundheitsstation in Nigeria werden Babys gegen Kinderlähmung (Polio) geimpft.
© Thomas Imo/photothek.net